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„Welt“ sieht Kurz als EU-Chef

Die konservative „Welt“ gilt neben der „Bild“ als jene beiden deutschen Tageszeitungen, die Sebastian Kurz trotz aller Skandale weiterhin unterstützen. In einem Kommentar am Freitag zerlegte allerdings auch die „Welt“ den angeblichen „neuen Stil“ des Kanzlers.

Blümel am Ende

Daran sei er gescheitert. Mit Thomas Schmid habe er einen „Parteikarrieristen und loyalen Wasserträger“ zum ÖBAG-Chef gemacht. Im Ibiza-U-Ausschuss kam auch noch raus, dass Schmid sich die Ausschreibung selbst geschrieben hatte. Und auch Kanzler-Intimus Gernot Blümel sei schwer angeschlagen:

„Gleichzeitig wird gegen Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) und einige frühere ÖVP-Politiker wegen des bisher unbewiesenen Verdachts auf Bestechlichkeit und Bestechung ermittelt. Das alles sollte natürlich nicht sein in einer Demokratie, die jeden Tag neu um Vertrauen kämpfen muss.“

Blümel sei „der zentrale Schwachpunkt“ in der Kurz-Regierung. „Es ist atemberaubend zu sehen, mit welch’ einer Mischung aus Patzigkeit, Selbstgefälligkeit, Arroganz und absurden Erinnerungslücken der Philosoph mit MBA-Abschluss aus der niederösterreichischen Provinz die berechtigten Fragen des Koalitionspartners und der Opposition über seine Rolle bei Parteispenden und Postenbesetzungen immer wieder abzuwehren versucht.“ Eine politische Zukunft für Kurz nach Corona gäbe es nur ohne Blümel.

Kurz am Weg nach Brüssel?

Das Kanzleramt „mit einer Truppe von Freunden zu besetzen, die sich nach eigenen Aussagen als “Familie” definiert und Kurz den Durchmarsch im Jahr 2017 organisiert hatte, erweise sich zunehmend als „kontraproduktiv“ für eine moderne Regierung. „Es gibt in dieser Truppe immer noch zu viele Akteure, die einem antiquierten Freund-Feind-Denken verhaftet sind.“

Sebastian Kurz dürfte für die Welt aber keiner dieser „Akteure“ sein. So blickt die „Welt“ dann auf eine große Zukunft für den ÖVP-Kanzler. Trotz der Kontroversen, die Kurz rund um die Impfstoffe in Brüssel ausgelöst hat, „fällt in ernst zu nehmenden Kreisen mittlerweile immer mal wieder der Name Kurz als neuer Kommissionspräsident im Jahr 2024.“

Die Tageszeitung des Springer-Verlages würde sich offenbar freuen, obwohl der „neue Stil“ in Österreich gescheitert ist: „Kurz wäre endlich ein Brückenbauer in den Osten. Und er wäre wohl der erste Präsident in der Geschichte der EU-Kommission, der kein Europa-Romantizist ist und nicht auf eine weitere Vergemeinschaftung von Schulden und Kompetenzen setzt.“

Der ehemalige „Kurier“-Chefredakteur Helmut Brandstätter (NEOS) kommentiert den Text auf Twitter: Die deutsche „Welt“ meint es noch immer gut mit Kurz, aber Gernot Blümel müsse er auswechseln, weil dieser habe „in einer Mischung aus Patzigkeit, Selbstgefälligkeit, Arroganz und absurden Erinnerungslücken seine Rolle bei Parteispenden und Postenbesetzungen abwehren wollen.“ 

Quelle: ZackZack